AGENDA

13 Dez. 2025

Finissage POGO NEL BRODO / SOMA8

Book Launch SOMA: Listening Sessions, Vexer Verlag

Performance Madison Bycroft

16:00

Listening hhhhh oral publishing house x Bruta

16:30

Listening Gerome Gadient

17:00

ENTRE NOUS, 4.7. – 23.8.2025

Laura Veenemans

Vernissage
Fr, 4.7.2025, 18:00
20:00 Sound performance Soraya Lutangu Bonaventure
21:00 DJ set Raphael Loosli

Finissage
Sa, 23.8.2025
17:00 Listening mit Ines Marita Schärer auf Einladung von hhhhh fugitive publishing house


FOYER
ENTRE NOUS: Laura Veenemans
mit Werken von Ise Schwartz aus der Kunstsammlung der Stadt Biel

Mit entre nous tritt die Künstlerin Laura Veenemans (*2000, Toronto, lebt und arbeitet in Bern and Zürich) in einen Dialog mit Werken von Ise Schwartz aus der Sammlung der Stadt Biel. Diese Begegnung zweier künstlerischer Praktiken, die eine Generation voneinander trennt, vereint eine gemeinsame Sensibilität für Bildfragmente, wiederkehrende Muster und Vorstellungen von Zwischenräumen.

Bei ihrer Auseinandersetzung mit der Sammlung stiess Laura Veenemans auf Werke von Ise Schwartz – 1942 in Deutschland geboren und seit mehreren Jahrzehnten in Biel wohnhaft. Besonders fesselten sie die formalen und abstrakten Qualitäten von Schwartz’ Arbeiten – eine Ästhetik, die von Fragmenten, organischen Motiven
(Blumen, Pflanzen, Tiere) und geometrischen Formen geprägt ist, die sich durch Wiederholung oder Symmetrie einer strukturalistischen Untersuchung des Motivs annähern.

Die drei von Veenemans ausgewählten Druckgrafiken von Ise Schwartz zeugen von einer malerischen Experimentierfreude, die zugleich an barocke Stilmittel, eine stilistische Analyse von Tapeten sowie an die fragmentarische Ästhetik digitaler Collagen erinnert. Ein Spiel mit Transparenzen und Überlagerungen erzeugt Tiefe, wodurch die Drucke zu vielschichtigen Kompositionen werden, in denen das Dekorative und das Repetitive zu eigenständigen Bildwelten verschmelzen. Gerade dieses Verhältnis zum Motiv und zum Fragment als Bildform spiegelt sich in Veenemans’ eigener Praxis wider. Sie untersucht Zeichen, Symbole und Strukturen, die unsere visuelle Wahrnehmung rahmen – ebenso wie die Absurditäten des Alltags, gespeist aus digitalen Referenzen und der Popkultur.

Fasziniert von den Grenzen des Bildes und von dem, was darüber hinausgeht, hat Veenemans im Rahmen dieser Einladung eine neue Serie von drei Arbeiten entwickelt, die in subtiler Resonanz zu jenen von Schwartz stehen. Die Wahl des Textilen als Medium ist dabei nicht zufällig: Im Gegensatz zur Malerei verlangt Stoff ein Falten hinter die Leinwand – eine Geste des Einschliessens des Bildes. Das Textile wird so zu einem Medium der Reflexion über Randzonen und Konturen.
Bereits in den ersten Gesprächen mit Veenemans über die Einladung, mit der Sammlung zu arbeiten,

diente Brian O’Dohertys Text Inside the White Cube: Notes on the Gallery Space (1976) als konzeptueller Bezugspunkt, um den Raum in seiner theoretischen wie physischen Dimension zu denken. Der Essay zeichnet die Entwicklung von Ausstellungsstrategien seit dem 19. Jahrhundert nach, als dichte Salonhängungen kaum Raum für leere Wände liessen – was die Bedeutung des Rahmens als Bildgrenze umso stärker hervortreten ließ. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts gewann die Wand zunehmend an Bedeutung, bis sie zur ikonischen weissen Wand des „White Cube“ wurde, auf der das Kunstwerk in eine scheinbar nahtlose künstlerische Kontinuität eingebettet erscheint.

Während sich die moderne weiße Wand zugunsten des Kunstwerks zurückzunehmen versucht, hinter-fragt Veenemans in ihrer Arbeit Stretch the limit genau diesen „Zwischenraum“: Sie lenkt den Blick auf jenen Bereich, den unser Geist intuitiv überbrückt – den Abstand zwischen zwei Wänden, die Trennung durch eine Türöffnung. Der Dackel, ein Hund mit langgestrecktem Körper, verkörpert diese Idee mit feinem Humor und Sensibilität: Indem das Bild in zwei Teile geschnitten wird, untersucht Veenemans das grafische und narrative Potenzial der Fragmentierung.

Zwei weitere Arbeiten – LVL1 und LVL2 – widmen sich ebenfalls der Idee von Verbindung, sowohl in symbolischer als auch in sozialer Hinsicht. Gesten wie der nach unten geführte „Handshake“ oder der nach oben gerichtete „Check“ verweisen auf die feinen Bewegungen des Alltags und ihre vielschichtige Bedeutung – oszillierend zwischen professioneller Förmlichkeit und informeller Vertrautheit. In einer einzigen Geste können Nähe, Freundschaft oder auch Distanz zum Ausdruck kommen.

Der Ausstellungsraum ist ein sozialer und relationaler Ort – ein Raum, in dem sich nicht nur Menschen begegnen, sondern auch Kunstwerke einander „grüssen“, beobachten und aufeinander reagieren. entre nous inszeniert daher keine Trennung, sondern macht stille Rituale der Annäherung sichtbar. Veenemans begreift diese Gesten als Fragmente auf der Suche nach ihrem Gegenüber – eine Einladung zum Dialog.

– Camille Regli